Eine Studie zur Bedeutung der digitalen Medien für das Leben und Überleben von unbegleiteten Flüchtlingskindern zeigt: Digitale Medien spielen eine zentrale Rolle, insbesondere während der Flucht und nach der Aufnahme in Deutschland.

„Insgesamt sind digitale Medien und Dienste für die soziale und bildungsbezogene Teilhabe der jungen Flüchtlinge immens wichtig und alternativlos. Gleichzeitig sind sie nur unter erschwerten Bedingungen verfügbar, da in den Inobhutnahmeeinrichtungen Internet und Computer wenn überhaupt nur sehr eingeschränkt für die jungen Flüchtlinge zugänglich sind – teils aus technischen, teils aus erzieherischen Gründen.

Dabei eröffnet der Zugang zu den digitalen Medien in vielerlei Hinsicht integrierende Potenziale – über die Verbindung mit Peers aber auch mit Fachkräften, das Erlernen der Sprache, die Orientierung in der Aufnahmekultur und den neuen Orten. Digitale Medien haben sowohl eine verbindende Funktion, im Kontakthalten mit der Herkunftsfamilie, Verwandten an anderen Orten und Peers, als auch eine Brückenfunktion in die Aufnahmegesellschaft. Deshalb brauchen gerade unbegleitete Flüchtlingskinder einen besseren Zugang zu digitalen Medien als bisher“, sagt Prof. Dr. Nadia Kutscher, Professorin für Soziale Arbeit und Ethik an der Universität Vechta.

„Mit Blick auf die besondere Bedeutung digitaler Medien für unbegleitete Flüchtlingskinder wird deutlich, dass an zwei Stellschrauben gedreht werden sollte. Zum einen braucht es eine digitale Grundausstattung der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, und zum anderen sollte eine befähigende Medienbildung fest in den Aufnahmeeinrichtungen verankert werden. Dazu ist geschultes Personal notwendig, das die Medienbildung der Flüchtlingskinder risikobewusst begleitet. Kinder und Jugendliche dürfen bei der Kommunikation im Web 2.0 nicht alleine gelassen werden und ihre informationelle Integrität muss besser geschützt werden. Das gilt für Kinder und Jugendliche in Deutschland insgesamt und aufgrund ihrer besonderen Lebenssituation ganz besonders für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, betont Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Quelle. Deutsches Kinderhilfswerk