„Mediennutzung ist keine Krankheit“

Sucht oder schlicht normales Verhalten? Führende Fachverbände der Jugend- und der Suchthilfe befürchten eine übermäßige Pathologisierung, nachdem die WHO die Diagnose Computerspielsucht in den Krankheitsdialog aufgenommen hat. Klaus Hinze, Geschäftsführender Referent der Aktion Kinder- und Jugendschutz, erläutert den Standpunkt der Jugendschutz Landesstellen in einem Interview mit der Fachzeitschrift „Jugendschutz Forum“.

„Wir halten die aktuellen Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung nicht für ausreichend, um eine solch schwerwiegende Diagnose zu begründen, es handelt sich immerhin um eine Abhängigkeitserkrankung“, betont Hinze. Angesichts fehlender eindeutiger Kriterien für die jetzt festgelegten Diagnosen sei eine übermäßige Pathologisierung betroffener junger Menschen zu befürchten.

Die aktuellen Diskussionen um das Suchtpotenzial von digitalen Spielen und Social-Media könne zu einer massiven Fehleinschätzung hinsichtlich der jugendkulturell bedingten digitalen Kommunikation führen im Extremfall zu einer entsprechenden Diagnose durch Ärzte. Selbst die Bundesregierung formuliere in ihrer Stellungnahme zum 15. Kinder- und Jugendbericht „ wer nicht digital kommuniziert, nimmt nicht teil.

Hinze setzt sich dafür ein, dass die bestehenden Angebote zur Prävention, zur Aufklärung von Eltern und zur Medienbildung stärker gefördert und vernetzt werden. „Ich finde es auch erstaunlich, dass in den Debatten im Gesundheitswesen festgestellt wird, dass es lediglich vereinzelte Angebote der Prävention gebe“ sagte Hinze. Die bereits vorhandenen Angebote des Jugendschutzes, der Jugendhilfe und der Medienbildung würden dort einfach nicht erfasst. Alleine im Land Brandenburg wurden seit Bestehen des Projekts Eltern-Medien-Beratung schon über 20.000 Eltern erreicht.

Das ganze Interview im Wortlaut