Safer Internet Day 2019: Tipps gegen Hasskommentare bei Youtube

„Politiker sind auch von Hasskommentaren betroffen“. Bei der Begrüßung im Plenarsaal zum diesjährigen Safer Internet Day rief Landtagsvizepräsident Dombrowski die Schülerinnen und Schüler dazu auf, sich von Tommy Toalingling und seiner Kollegin Jennifer Arp abzuschauen, wie man sich als Influencer für ein besseres Internet und Miteinander auch im Netz einsetzt. „Es ist Teil der politischen Bildung, Social Media reflektiert und kritisch nutzen zu lernen, Inhalte im Netz als vertrauenswürdig einstufen zu können, Fake News von der Wahrheit zu unterscheiden und vor allem zu widersprechen, wenn andere Menschen herabgewürdigt werden oder gegen sie gehetzt wird.“ Dombrowski hat seinen eigenen Facebook-Account übrigens abgemeldet: „So viele Freunde, wie ich da hatte, brauche ich nicht“.

Sich aus den Sozialen Medien ganz verabschieden, für viele Kinder und Jugendliche ist das keine Option. Thema des Aktionstags 2019 im Landtag mit über 50 Schülerinnen und Schülern aus Brandenburg war deshalb„Influencing, Youtube, Instagram & Co“. Wie wehrt man sich gegen Hasskommentare, müssen die überhaupt sein und wie wäre es, wenn man selbst Youtuber oder Youtuberin wäre? Ist das eigentlich echt, was auf vielen Youtube-Kanälen gezeigt wird oder doch nur gespielt?

Ariya (12) ist sich da nicht so sicher: „Wenn einer nur was vorstellen will, dann ist das ganz normal, aber vieles ist auch übertrieben.“ Die 12-Jährige hat das selbst ausprobiert und auch im Video demonstriert. In vorbereitenden Workshops drehten sie und ihre Mitbewohner in der Wohngruppe in Geltow ein Schminkvideo ganz im Stil von bekannten Vorbildern bei Youtube. Allerdings, das „Model“ war ihr Bruder. Lena (15) aus Schwielowsee findet bei Youtube nicht nur Schminktipps. „Manchmal kann man da auch ganz konkrete Hilfestellung für Probleme bekommen.“

Einiges, so wurde bei der Diskussion im Landtag deutlich, gefällt den Jugendlichen auf Youtube aber nicht besonders. Elias (13) meint, dass allzu freizügige Videos dort nicht offen zu sehen sein sollten. In einer überzeugenden Merkel-Parodie trat der 13-Jährige im Video seiner Arbeitsgruppe als „Herr Berkel“ auf. Ein Gesetz zu Abschaltung von Youtube wurde aber in der „Abstimmung“ im Film genauso abgelehnt, wie die Vorgabe Youtube nur ab 18 frei zu schalten. Was also tun? Die Schülergruppe aus dem Internat des Da-Vinci-Campus in Nauen hatte ganz konkrete Tipps: „Sich treu bleiben, sich über die Hintergründe der Youtuber schlau machen:“

Wie man sich erfolgreich gegen Hasskommentare wehren kann, erarbeiteten die Jugendlichen dann in zwei Workshops mit Jennifer und Tommy. Sie suchten nach Hasskommentaren auf den Plattformen und formulierten sie um. „Es reicht oft schon, die Schimpfwörter wegzulassen und eine Frage zu formulieren“, so der Tipp von Tommy. Aus “Ich fühle meine Gehirnzellen aussterben, ist der krank“ wird „ Warum präsentierst du dich so?“ und „Sei du selbst.“ Sachlich seine Meinung äußern ist auch okay. „Dein Video ist einfach nicht mein Geschmack.“ Sarah (18) sieht den Ball allerdings nicht nur bei den Jugendlichen selber: „Im Internet werden nicht immer alle nett sein, da müssen auch die Plattformbetreiber handeln und Filter einrichten und bestimmte Kommentare einfach nicht durchlassen.“

Stephan Goericke, Mitglied des Medienrats der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) setzt sich in seinem Grußwort an die Jugendlichen genau dafür ein: „YouTube wird quasi als Leitmedium tagtäglich von den Jugendlichen genutzt. Und deshalb ist es wichtig, dass auch im Netz Regulierung stattfindet. Es darf kein rechtsfreier Raum entstehen. Wir müssen dafür sorgen, dass Jugendschutz sichergestellt und Werbevorschriften eingehalten werden.“

„Medienkompetenz zu vermitteln ist ein wichtiger Teil des Bildungsauftrags von Schule und Jugendeinrichtungen und wird in Brandenburg bereits im Rahmen der Lehrpläne sowie bei der Ausstattung der Jugendclubs und Medieninformationszentren berücksichtigt“, sagte Jugendstaatssekretär Thomas Drescher in seiner Ansprache und sicherte den Jugendlichen seine Unterstützung zu. „Das nehmen wir sehr ernst.“

 

 

Bilder: Maren Strehlau

 

Beteiligte Einrichtungen:
Heilpädagogische Wohngruppe Plessow, Träger Ev. Jugendhilfe Geltow
Jugendwohngruppe Geltow, Träger Ev. Jugendhilfe Geltow
AWG Eiche, Träger Ev. Jugendhilfe Geltow
Leonardo Da Vinci Campus, Wohngruppe im Internat Nauen

Der Safer Internet Day ist ein weltweiter Aktionstag für mehr Sicherheit im Netz. In mehr als 100 Ländern machen an diesem Tag Aktionen und Veranstaltungen auf das Thema Internetsicherheit aufmerksam. Die Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V. (AKJS) organisiert in Kooperation mit der  Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) in jedem Jahr eine Veranstaltung im Brandenburgischen Landtag unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Britta Stark.

Safer Internet Day 2019 – ‚Vorbilder im Netz‘

Projekt Safer Internet Day